S
chon Mark Twain
hat gesagt: Rei-
sen ist das Ende
für alle Vorurteile,
für Bigotterie und
für Engstirnigkeit.
Dieser Satz ist mir während
unserer Rumänienreise immer
wieder durch den Kopf gegan-
gen. Obwohl: Unser erstes Er-
lebnis in Rumänien, eigentlich
schon heftig. Wir haben uns ei-
ne Tankstelle nach der Grenze
erwartet. War aber keine. Nur
eine breiteAutobahn. Links und
rechts nur unbewohntes Land.
Auch nach 20 Kilometer noch
keine Tankstelle. Dann endlich
eine Zapfsäule. Aber wirklich
nur eine und mindestens 25Au-
tos mit fast leeren Tanks davor.
Fängt ja gut an, habe ich mir
gedacht und weiß seither auch,
dass die Honda Transalp mehr
in ihrem bauchigen Tank unter-
bringt, als die 18 Liter, die im
Katalog stehen. Vorausgesetzt,
man saugt ihn wirklich bis zum
letzten Topfen aus.
So, das war´s auch schon mit
den eher schlechten Erfahrun-
gen in Rumänien. Fortan hat
ein gut ausgebautes Tankstel-
lennetz unsere Reise begleitet.
Wir sind durch ein Land ge-
fahren, das von üppigem Grün
geprägt ist, in dem sich Auto-
fahrer, Pferdefuhrwerke, Mo-
torräder und Lastwägen recht
unhektisch und rücksichtsvoll
die Straßen teilen und in dem
die Menschen allen Fremden
mit einer unglaublichen Herz-
lichkeit begegnen.
Wir sitzen bei Evelina im
kleinen Vorgarten, irgendwo
im Niemandsland zwischen
Targu Jiu und Hermannstadt.
Vor uns liegt die Transalpina,
eine der schönsten Straßen Ru-
mäniens. Rund 150 Kilometer
weit schlängelt sie sich über
die Karpaten bis auf eine Höhe
von 2.132 Meter. Dutzende von
Serpentinen und griffiger As-
phalt sind wohl mit ein Grund,
warum diese Passstraße auf
die von internationalen Motor-
radjournalisten erstellte Liste
mit den schönsten zehn Pässen
Europas gesetzt wurde. Oben
abgekommen, erwartet uns
geschäftiges Treiben. Händler
bieten ihre Waren an: Speck
und Käse, Körbe und Kochlöf-
fel, bunte Pullover und riesige
Kugelschreiber. Wir kaufen
uns nur kleine Aufkleber für
die Motorradkoffer und lassen
seither allen wissen: „I love
Transalpina“.
Bevor wir den Pass erklom-
men haben, hat uns Evelina
von ihrem Alltag hier mitten in
Siebenbürger erzählt. Gemein-
sam mit ihrem Mann Valentin
betreibt sie eine kleine Land-
wirtschaft. Einige Ziegen, zwei
Kühe. Hinter dem Haus baut
sie Gemüse an, das sie vor dem
Haus dann auf einem kleinen
Tisch den Vorbeikommenden
anbietet: Zwiebeln, Karotten,
Paradeiser und teuflisch schar-
fe Pfefferoni. Die gehören in
Rumänien zu jedem Essen
und werden extra serviert. Vor
allem die Kuttelsuppe Ciorba
de Burta und die Bohnensuppe
(Supa de fasola) kommen nicht
ohne Pfefferoni aus und sind
tradtionelle Gerichte.
Während Evelina mit ih-
rem Gemüse die nötigsten Lei
für den Alltag verdient, ist ihr
Mann oft tagelang mit dem
Pferdewagen unterwegs. Auf
der Ladefläche ein Dutzend
Bienenkörbe. Der so gewon-
nene Honig ist das Zusatzein-
kommen, das den beiden ein
bisserl Luxus finanziert. Einen
alten Fernseher, die laufenden
Reparaturkosten für den 20
Jahre alten Dacia und natür-
lich das Handy. Ohne dem geht
inzwischen auch in den entle-
gensten Regionen Rumänien
nichts mehr.
Auf der anderen Seite der
Transalpina erwartet uns Her-
mannstadt. Eine moderne Me-
tropole mit 430.000 Einwoh-
ner, die 2007 gemeinsam mit
Luxemburg Kulturhauptstadt
Europas war. Und wo nach wie
vor, so wie in ganz Siebenbür-
gen, die Einflüsse des einstigen
Kaiserreiches sichtbar sind.
Prunkvolle Bauten, großzügige
Alleen. Alles tiptop gepflegt
und in bestem Zustand. Ganz
anders in Herkulesbad. Auch
hier ließen es sich einst der
Kaiser und seine Getreuen gut
gehen. Seither aber altert der
ehemals prunkvolle Ort vor sich
hin, bröckelt der Putz von den
aufwändigen Fassaden. Weil
das Geld fehlt, kann nur gerich-
Motorradeln weit über der Baumgrenze
beim Überqueren der Karpaten.
Gute Straßen auch abseits
der Hauptver
Von den Karpaten bis zu den
Gleich zweimal setzten wir mit Fähren
über die Donau. Zunächst
bei Tulcea im Donaudelta bei der Fahrt ans Schwarze Meer. Auch
auf dem Weg nach Bukarest von der bulgarischen Grenze weg war
eine Fähre notwendig.
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