Keine Deponie vor unserer Haustüre

Irgendwie ist das Ganze schon ziemlich paradox. Auf der einen Seite werden die Österreichischen Bundesbahnen nicht müde dafür zu werben, dass der Schwerverkehr weg von der Straße auf die Schienen gehört. Auf der anderen Seite scheint das für eigene Projekte nicht zu gelten. Denn bei der geplanten Großbaustelle der Hochleistungsbahn durch den Flachgau ist nicht daran gedacht, den Schwertransport auf die Schiene zu verlegen. Da schüttet man lieber den Anrainern eine Deponie vor die Haustüre und gefährdet damit auch das Naturschutzgebiet Wenger Moor.

Aber der Reihe nach: Abtransport und Lagerung des Tunnel-Aushubmaterial sind schon seit längerer Zeit eine schier unendlich Geschichte. Letzter Plan, der sich gerade der Umweltverträglichkeitsprüfung unterziehen muss, ist die Errichtung einer riesigen Deponie für das Aushubmaterial im Ortsteil Karlsreit zwischen Tödleinsdorf und Helming. Um bis zu 5 Millionen Tonnen Material zu lagern, werden 40 Hektar benötigt. Außerdem ist dazu die Errichtungen eines Dammes notwendig, der auf einer Länge von einem Kilometer bis zu 24 Meter hoch sein soll und in letzter Konsequenz aus dem jetzigen Hügel ein riesiges Plateau machen wird. An Spitzentagen käme es dadurch bis zu 800 Lastwagenfahrten.

Für die Gemeinde Köstendorf und den Bürgerinitiativen ist dieses Szenario schlichtweg unvorstellbar. „Wir müssen uns jetzt gemeinsam auf die Beine stellen. Und das über Grenzen hinweg, denn auch unsere Nachbargemeinden wären von dieser Großbaustelle und dem damit verbundenen LKW-Verkehr massiv betroffen“, sagt Köstendorfs Bürgermeister Wolfgang Wagner, der Widerstand ankündigt, sobald es ein Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung geben wird: „Erst dann haben wir als Bürgerinitiative Parteienstellung.“

In unmittelbarer Nähe der jetzt geplanten Deponie sind auch das Naturschutzgebiet Wenger Moor und der Wallersee. Wie sich auf diese sensiblen Gebiete so eine riesige Deponie auswirkt ist noch gar nicht geklärt. „Auf jeden Fall haben wir massive Bedenken, dass hier auch an der Natur schwere Schäden angerichtet werden“, sagt Bürgermeister Wagner,

Und was wäre die Alternative? Für die Bürgerinitiativen und die Gemeinde Köstendorf liegt die klar auf der Hand: Abtransport des Aushubmaterial über die Schiene und eine gefahrlose Entsorgung in größerer Entfernung.

Eines der Argument der Bahn dagegen: Beim täglichen Verkehr von 400 Zügen auf der Westbahnstrecke ist es kaum möglich, Zeitfenster für bis zu sechs Züge für den Abtransport des Aushubmaterials zu finden.

Dieser Bereich wäre von der 40 Hektar großen Deponie betroffen.
Die Landesstraße jetzt, im Bereich von Helming.
Entlang der Landesstraße soll der 24 Meter hohe Damm errichtet werden. Die Straße würde dazu auch näher an den Wallersee verlegt.
„Fahrplan” für den Baustellen-Schwerverkehr von und zur Westautobahn. Klar erkennbar: Auch Seekirchen und Eugendorf wären davon massiv betroffen.